Therapeutischer Prozess

Im TP der Integrativen Therapie greift man auf ein so genanntes „Bündel von Maßnahmen“ zurück, d.h. der Heilungsprozess wird unterstützt von diversen Verfahren, deren Anwendung und Wirksamkeit sich schon mehrmals bestätigt haben, z.B. in der Klinik, Praxis, Kur. So wird beispielsweise die biologisch-körperliche Ebene der Person durch Achtsamkeits-, Entspannungs-, Atem-, Bewegungs- und Ernährungsverfahren unterstützt, die psychische Basis begleitet man durch Emotionen stärkende Gespräche, Therapieformen, Coaching und Kunsterfahrung, die kognitiv-geistige Ebene durch Psychoedukation. Die sozialen Themen und Probleme werden durch Beratung und Anknüpfung an diversen Netzwerken unterstützt.

Die Natur-, Garten-, und Landschaftserfahrung wird in jeder Handlung bewusst durchgeführt. Die Tätigkeiten in einzelnen Phasen „durchlebt“ – so, dass man die Arbeit und stattfindende Prozesse behutsam beobachten, nachvollziehen und erleben kann. Das Denken, Fühlen und Handeln – die Leiberfahrung – werden mit „Äußerem“ konfrontiert. So nimmt man z.B. eigene Körperspannung, Temperatur wahr, man überlegt die Abläufe im gärtnerischen Tun, man riecht, tastet und schmeckt, nimmt die Weite und Breite wahr.
Die inneren und äußeren Vorgänge stellen die Basis für den weiteren Teil der Therapeutischen Arbeit dar. Durch Vergleich und Übertragung der Phänomene auf eigenes Leben, durch Personifizierung der Erfahrung in Form von geistig-körperlichen Empfindungen, schafft man die Grundlagen der weiteren Entwicklung und Veränderung neuer Potentiale und Ziele. Durch Unkrautentfernung wird man angeregt im eigenen Leben nach „Unkraut“ zu suchen, durch Aussaat – eigene Ideen, Ziele zu pflegen und weiterzuentwickeln. Durch Beetanlegen und Sträuße binden können Selbstwert- und Selbstwirksamkeit gefördert werden.
Das Wachstum und die Entfaltung wird dem eigenen Rhythmus und der Verknüpfung Natur-Mensch überlassen.

Sich selbst zum Projekt machen:

In diesem Projekt wird die Person eingeladen durch ein Prozess der Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis zu gehen. Mit Hilfe von Kreativen Medien wie Ton, Naturmaterialien, der grünen Umgebung, steigt man in die eigene Lebensgeschichte ein, man macht sein eigenes Menschenbild sichtbar – im Hier und Jetzt und in der ganzen Lebensspanne zwischen Vergangenheit und Zukunft. Man knüpft in dieser Erfahrung an eigene Ressourcen, Vorstellungen, Denkprozesse, Wahrnehmung von Phänomenen, Verstehen von Werten und Sinnhaftigkeit, Gefühlen, Bewertungen und Handlungen an.

Die Erfahrung verläuft auf der fachlich-sachlichen und psychologisch-soziodynamischen Ebene. Aus dieser Bewegung und Reflexion emergiert eine bewusste Standortbestimmung – ein eigener Kompass und Wegweiser. Wenn man begreift wer man ist, wie man sich selbst und die Umgebung wahrnimmt und interpretiert, erst dann können die eigene Persönlichkeit, Bedürfnisse, Rolle, Kreativität, Ziele und Visionen definiert und verwirklicht werden. Darüber hinaus, wenn man die anderen verstehen, mit ihnen Wachsen und aufrecht kommunizieren möchte, muss man zuerst den eigenen Identitätsprozess durchlaufen.
Die Dauer der Erfahrung ist individuell abhängig.

Therapeutisches Ziel:
• Entfaltung, Unterstützung, Verfestigung der Wahrnehmung, Motorik, Aufmerksamkeit, Geschicklichkeit, Selbstwirksamkeit und Selbstständigkeit
• Unterstützung des Kognitiven, emotionalen und sozialen Lernens individuell und in der Gruppe
• Erdung, bewusstes erfahren der Zugehörigkeit zu dem Lebendigen, zur Natur im Ganzen und deren Prozessen
• Stärkung des Immunsystems, Entspannung, Erholung, Vitalität, Stressreduktion, Angst-und Schmerzlinderung
• Entfaltung der Kreativität und schöpferischen Potenziale, gestalterischen Möglichkeiten
• Edukative Erfahrung – Gärtnerisches Wissen

Ökologie:
In der Integrativen Gartentherapie ist das ökologische Bewusstsein ein Wert und eine Stellungnahme. Sie basiert auf einer ökophilen Grundhaltung der Liebe zur Natur und allem was sie ausmacht sowie einer ökosophischen Überzeugung, dem achtsamen, beschützenden, weisen Umgang mit der Natur, die sich in Form von Naturschutz, Ökoedukation, Nachhaltigkeit, schonendem Umgang mit Ressourcen, Recycling und konkretem Handeln zum Erhalt des Grünen Raums verwirklicht.

Die Therapeutische Arbeit erfolgt unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der ökologischen Zusammenhänge, des Lebensraums der lebendigen Organismen und erfolgt in Natur-Rhythmen und anhand der Jahreszeiten.
Das Erleben von Lebendigem, die leibliche Erfahrung von Lebenskreisläufen lehrt, das Leben „von Natur her zu betrachten“, sensibilisiert und vermittelt ein tiefes Verständnis für das „mit sein“ in der Welt.

1) Mehr zum Thema Integrative Therapie/Garten- und Landschaftstherapie im Integrativen Verfahren finden Sie auf der Internetseite unter FPI – Publikationen Polyloge:
http://www.fpi-publikation.de/polyloge/ und https://www.eag-fpi.com/ (24.8.2017).

2) Dieser Einsatz wurde sehr detailliert von Konrad Neubergen erarbeitet und beschrieben vergl.:
https://Konrad Neuberger Integrative Gartentherapie-2011-10-02-Bilder-col.pdf (24.8.2015).